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Über den FSS

Angemessene Ernährung ist ein Menschenrecht. Doch gerade im Anbau landwirtschaftlicher Exportprodukte im globalen Süden wird dieses Recht oft nicht ausreichend geschützt. Der Food Security Standard hilft Unternehmen dabei, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Der FSS im Fokus

Der FSS ist ein Add-on Standard und so konzipiert, dass er in jeden bestehenden Nachhaltigkeitsstandard im Agrarsektor integriert werden kann und für alle landwirtschaftlichen Produkte, Betriebsgrößen und Betriebstypen anwendbar ist.

Der FSS fußt auf dem Menschenrecht auf angemessene Nahrung und baut auf den Leitlinien zum Recht auf Nahrung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf.

Der Food Security Standard …

  • trägt dazu bei, das Menschenrecht auf Nahrung zu schützen;
  • leistet direkt oder indirekt einen Beitrag zur Erreichung zahlreicher UN- Nachhaltigkeitsziele wie: Kein Hunger (SDG 2), Nachhaltiger Konsum und Produktion (SDG 12), Nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11), Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8), Weniger Ungleichheit (SDG 10), Hochwertige Bildung (SDG4), Gesundheit und Wohlergehen (SDG 3), keine Armut (SDG 1), Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen (SDG 6);
  • schließt eine bestehende Lücke in Nachhaltigkeitsstandards;
  • hilft Unternehmen, ihrer Verantwortung für Ernährungssicherheit gerecht zu werden und die vorgeschriebene Sorgfaltspflicht einzuhalten;
  • kann in unterschiedlichsten Kontexten und für sämtliche Agrarprodukte angewendet werden;
  • beinhaltet praxiserprobte und messbare Kriterien;
  • kann in bestehende Nachhaltigkeitsstandards integriert werden;
  • wird von renommierten Zertifizierungssystemen unterstützt. Unter den ersten Anwendern finden sich 4C Services (Kaffee) und ISCC (sämtliche Arten von Biomasse)

Warum brauchen wir den FSS?

Die Hungerkarte des Welternährungsprogramms für 2021 zeigt die Prävalenz der Unterernährung in der Bevölkerung jedes Landes im Zeitraum 2018-20. Klicken Sie auf das Plus, um die Darstellung zu vergrößern. Hier bekommen Sie weitere Informationen zur Welthungerkarte.

Warum brauchen wir den FSS?

Noch immer hungern auf der Welt etwa 811 Millionen Menschen; rund zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt. Die Mehrheit der hungernden Menschen lebt in ländlichen Gebieten, oft sind es Kleinbäuer*innen oder landlose Arbeiter*innen.

Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen, die in landwirtschaftliche Lieferketten eingebunden sind, sind häufig von Ernährungsunsicherheit, Mangelernährung und Armut betroffen.

Insbesondere Zeit- und Gelegenheitsarbeiter*innen sind sehr oft schon während ihrer Beschäftigungszeit von Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung betroffen. Bislang wurde das Thema Ernährungssicherheit in Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssystemen nur selten berücksichtigt. Der Food Security Standard (FSS) schließt diese Lücke. Er bietet eine Reihe von praktikablen und messbaren Kriterien und Audit-Instrumenten, die in Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungssysteme integriert werden können.

Um das Menschenrecht auf Nahrung und das Recht auf Menschenwürdige Arbeit (SDG 8) auch langfristig wahren zu können, ist der Schutz weiterer Menschenrechte nötig. Auch diese werden vom FSS abgedeckt, was ihn zu einem  geeigneten Instrument macht, um die unternehmerischen Sorgfaltspflichten umfassend zu gewährleisten. Es hilft Unternehmen, ihrer Verantwortung für Ernährungssicherheit gerecht zu werden, die vorgeschriebene Sorgfaltspflicht einzuhalten und einen Beitrag zu SDG 12 zu leisten.

Wie funktioniert der FSS?

Der FSS ist für die Implementierung und Verifizierung im Rahmen eines Nachhaltigkeitsstandards konzipiert. Er ist kein eigenständiges System, sondern eine Ergänzung zu einem bestehenden Standard und lässt sich daher leicht integrieren.

Nachhaltigkeitsstandards können den FSS in ihre Standards integrieren oder den FSS als Add-on anbieten. Die Überprüfung der FSS-Kriterien erfolgt während des Audits des Nachhaltigkeitsstandards/Grundstandards. Dies minimiert sowohl den Aufwand als auch die Kosten.

Auf den Homepages von bereits FSS anerkannten Standards wie 4C Services oder ISCC finden sich beispielhafte Informationen, wie eine FSS Implementierung in eine bestehende Zertifizierungsstruktur aussehen kann.

 

Nachhaltigkeitsstandards, Zertifizierungssysteme und Zertifizierungsstellen, die den FSS anbieten oder in ihr bestehendes Kriterienset integrieren wollen, erhalten Zugang zu allen notwendigen Werkzeugen. Diese umfassen ein praxisgerechtes Handbuch, umfangreiche Schulungsmaterialien, die Checklisten und Interviewleitfäden. Diese Werkzeuge sind jeweils auf die spezifischen Gegebenheiten von kleinen und mittleren Betrieben sowie Plantagen zugeschnitten. Sie können auch von Unternehmen genutzt werden, um sich auf die Implementierung des FSS vorzubereiten.

Wie man sich zertifiziert? Erfahren Sie in unserem neuesten Erklärvideo Schritt für Schritt, wie Sie eine FSS-Zertifizierung erreichen.

FSS Kriterien

  • Kriterien und Indikatoren
  • Werkzeuge zur Erfassung von Ernährungssicherheit
  • Checkliste und Handbuch für Auditoren

Bestehende Nachhaltigkeitsstandards

Das Recht auf Nahrung wird in landwirtschaftlicher Produktion eingehalten

Vorteile

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Landwirte, Arbeiter*innen und umliegende Gemeinden

  • Landwirte und Arbeiter*innen sind ernährungssicher und ihr Recht auf angemessene Nahrung wird respektiert
  • Die Ernährungssicherheit im Einflussbereich eines landwirtschaftlichen Betriebes verschlechtert sich nicht
  • Ernährungssicherheit verbessert sich schrittweise und reduziert lokale Ungleichheiten (SDG 10)
  • Lebensstandard von Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen steigt

Produzent*innen von landwirtschaftlichen Gütern

  • Das Recht auf angemessene Nahrung und die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten werden von den Produzent*innen so weit geschützt, wie es in ihrer Verantwortung liegt
  • Die Einhaltung von Sozialstandards trägt zu besseren Arbeitsbedingungen und damit auch zu verbesserten Produktionsbedingungen sowie zum Recht auf Menschenwürdige Arbeit (SDG 8) bei
  • Höhere Resilienz des Betriebs gegenüber Gefahren (natürliche und menschengemachte)

Händler

  • Nachweis, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden und die unternehmerischen Sorgfaltspflichten eingehalten wurden, um Verstöße gegen das Menschenrecht auf Nahrung zu vermeiden.
  • Minderung von Reputationsrisiken
  • Wettbewerbsvorteil
  • Einhaltung der kommenden Sorgfaltspflichtgesetze auf nationaler und EU-Ebene (Beitrag zu SDG 8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum)

Verbraucher

  • Bedenken hinsichtlich sozialer Produktionsbedingungen werden angesprochen
  • können sich für Produkte entscheiden, die auch im Hinblick auf die Ernährungssicherheit nachhaltig sind und somit einen Beitrag zu SDG 12 "Nachhaltiger Konsum" leisten.
„Viele Feldarbeiter*innen und Kleinbäuer*innen, die Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Güter für den Export nach Europa anbauen, hungern, und ihre Menschenrechte werden verletzt. Der FSS stellt die Ernährungssicherheit von Bäuer*innen und Arbeiter*innen sicher und schützt umliegende Gemeinden vor negativen Auswirkungen der Exportproduktion."Dr. Tina Beuchelt, Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF), Universität Bonn (2019)
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